Wie groß muss eine Yacht für eine Weltumsegelung sein?

Eine Weltumsegelung ist mit vielen verschiedenen Booten möglich. Doch wie groß sollte eine Blauwasseryacht sein? Gibt es ein „zu klein“ und ein „zu groß“?

Die ideale Größe einer Blauwasseryacht

Fragt euch: Wie groß ist unsere Crew? Und damit meine ich nicht das unwahrscheinliche Szenario, dass gleich 2 befreundete Pärchen gleichzeitig zu Besuch kommen. Wenn ihr mal in der Karibik seid, kommen die allerwenigsten überhaupt noch vorbei. Wie groß ist die reguläre Crew, 95% der Zeit? Richtet die Bootsgröße danach aus. Die allermeisten Langfahrt-Crews bestehen aus 2 Personen. Eine Ersatzkabine zu haben, schadet natürlich nicht. Daher dürfte in den allermeisten Fällen ein Boot mit 2 Kabinen ausreichen. Versucht, nicht zu viele leere Betten mit euch herumzufahren. Der vergeudete Raum wäre wertvoller als Stauraum oder Werkstatt.

Das gibt uns schonmal einen grundsätzlichen Rahmen, was die Bootsgröße anbelangt. Doch natürlich gibt es 30-Fuß-Boote mit 2 Kabinen, und auch 45-Fuß-Boote mit 2 Kabinen. Insbesondere auf dem amerikanischen Markt gibt es sehr große Boote, die genau für 2er-Crews ausgerichtet sind – statt vielen Betten wird dort auf einen bequemen Salon und eine große Pantry geachtet.

Große Pantry
Pantry auf amerikanischer Yacht

Statt vielen Betten lieber eine große Pantry - hier zu sehen auf einer Valiant 40

Safety first

Sowohl große Boote als auch kleine Boote haben Vor- und Nachteile.

Große Boote punkten mit Platz und Komfort. Man tritt sich nicht auf die Füße und hat viel Möglichkeit, Stauraum zu schaffen (auch wenn das nicht alle Werften umsetzen). So könnte man denken: Wer es sich leisten kann, sollte ein großes Boot kaufen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Ein großes Boot hat nebst einem höheren Anschaffungspreis natürlich auch höhere Kosten im Unterhalt. Plötzlich braucht man Elektrowinschen, Bug- und Heckstrahlruder, eine hydraulische Ruderanlage und und und. Die Kosten für die Reparatur oder den Ersatz solchen Equipments ist dabei aber nur ein Faktor. Was, wenn mitten auf dem Pazifik die Elektrik ausfällt und ich zu schwach bin, um die riesigen Segelflächen zu managen? Finde ich auf den Osterinsel jemanden, der meine Hydraulik reparieren kann?

Gerade auf Langfahrt ist man häufig auf sich allein gestellt und man kann für alles Geld der Welt keinen Fachmann bekommen. Man muss sich also selbst zu helfen wissen. Je weniger Technik verbaut ist, desto einfacher kann ich mir auch selbst helfen. Das soll nicht heißen, dass ich kein Fan von Technik bin – doch am liebsten mag ich Technik, die eine Blauwasserreise zwar vereinfacht, auf die man aber für die Durchführung nicht angewiesen ist.

Kleine Boote haben da viele Vorteile. Die benötigte Technik fällt schmaler aus. Elektrische Winschen braucht man nicht, und je nach Größe kommt man sogar ohne elektrische Ankerwinde aus. Die Segelflächen sind kleiner, daher kann auch eine zierliche Frau oder ein älterer Herr die Segel bändigen. Wer möchte schon nachts seinen Partner wecken müssen, weil er das Großsegel nicht selbständig reffen kann? Ein kleines Boot schafft also Sicherheit! (Nun denken gerade Anfänger oft, dass ein großes Segelboot sicherer ist. Die Länge sagt uns nur bedingt etwas über die Seetüchtigkeit eines Schiffs. Die Form des Unterwasserschiffs ist viel entscheidender! Lest dazu diesen eigenständigen Blogpost.)

Dazu kommen die Kosten und die Aufwände. Ein kleines Boot ist in der Anschaffung günstiger und auch im Unterhalt. Ein Segelsatz für ein 35-Fuß-Boot kostet vielleicht 6000 Euro, für ein 42-Fuß-Boot dann schon 10’000 Euro. Gleiches gilt für das stehende Gut, da die Wanten nicht nur länger werden, sondern auch dicker. Ob man einen 30 PS Ersatzmotor kaufen muss oder einen mit 60 PS, macht ebenfalls einen riesigen Unterschied. Die Preise steigen oft nicht linear sondern exponentiell. Und auch die Arbeitsstunden, die man selbst in ein Boot steckt, steigen exponentiell: Neues Antifouling bei einem 30-Fuß-Segelboot ist in 2 Stunden aufgetragen, bei einem 40-Fuß-Boot muss man zusehen, dass man in einem Tag fertig wird.

Die Länge ist nur ein Faktor

Ich finde es sehr verständlich, wenn meine Kundinnen und Kunden ein großes Boot haben möchten. Gerade, wer in der Vergangenheit 37-Fuß-Boote mit 3 Kabinen gechartert hat, möchte oft ein deutlich größeres Boot, weil er das beengte Gefühl nicht haben möchte. Doch 37 Fuß ist nicht gleich 37 Fuß. Die Aufteilung im Innenraum macht einen riesigen Unterschied. Manche 37-Fuß-Boote haben nur 1,80 m Stehhöhe, andere 2m. Manche haben eine Achterkabine mit freistehendem Bett mit Einstiegen auf beiden Seiten, andere haben eine Schlupfkabine, die sich anfühlt wie ein Magnetresonanztomograph. Hier mal als Beispiel zwei gleich lange Boote mit sehr unterschiedlichen Achterkabinen:

Kleine Achterkabine auf Etap 34Gemütliche Mastercabin auf Najad 360

Es gibt Raumwunder

Für ein komfortables Raumgefühl ist die Bootsbreite und die Aufteilung des Innenraums ebenso wichtig wie die Länge. Dass es Fahrtenyachten gibt, die auf 33 Fuß 2 Kabinen mit vernünftigen Betten, 450l Wasser, 300l Diesel, fast 2m Stehhöhe, Duschkabine einen 3-flammigen Herd und Doppelspüle unterbringen, das zeige ich euch in diesem Video:

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Keine Sorge, ich rate nicht all meinen Kunden zu kleinen Yachten. Wenn es gute Gründe für ein großes Boot gibt, dann soll es auch ein großes werden! Ich möchte nur, dass meine Kundinnen und Kunden sich bewusst sind über die Vor- und Nachteile von gewissen Bootstypen. Wenn ihr Unterstützung bei der Bootssuche benötigt, kontaktiert mich gerne.